Kurzantwort
Für eine belastbare Dachpotentialanalyse braucht es nicht zwingend ein perfektes BIM-Modell. Entscheidend ist, dass Geometrie, bestehende Aufbauten und Technik, Zugänge, Entwässerung, bekannte Lasten, Nutzungsziele und die zentrale Projektfrage ausreichend beschrieben sind. Fehlende Informationen dürfen vorhanden sein – sie müssen nur sichtbar als Annahme oder offene Prüffrage behandelt werden.
In frühen Phasen liegen häufig PDF-Pläne, DWG-Dateien, einzelne Schnitte, Fotos, ältere Bestandsunterlagen oder ein grobes 3D-Modell vor. Daraus kann bereits eine gemeinsame Projektbasis entstehen. Die Qualität der Analyse hängt weniger vom Dateiformat als davon ab, ob die relevanten Randbedingungen identifiziert und Unsicherheiten dokumentiert werden.
Welche Unterlagen sind besonders hilfreich?
Dachaufsicht, Schnitte, Höhen, Dachränder, Attiken, Aufbauten und Fassadenbezug. PDF und DWG reichen für viele Vorstudien aus.
Oberlichter, Lüftung, Rückkühler, Aufzüge, Rauchabzüge, Antennen, Leitungsführungen und andere nicht frei verschiebbare Elemente.
Abdichtung, Dämmung, Gefälle, Alter, bekannte Schäden und geplante Sanierungsfenster. Gerade im Bestand beeinflusst dies die sinnvolle Reihenfolge von PV, Begrünung und Dachsanierung.
Abläufe, Notentwässerung, vorhandene Retention, Gefälle und bekannte Probleme. Diese Informationen entscheiden mit über nutzbare Zonen.
Dachzugänge, Waren-/Personenlifte, Absturzsicherung, Tragwerksinformationen und bekannte Lastreserven oder Einschränkungen.
PV, BIPV, Begrünung, Retention, Terrasse, Technikreserve, Betrieb, Gestaltung oder eine Kombination daraus. Ohne Zielbild lässt sich Fläche nicht sinnvoll priorisieren.
Nicht jede Information muss gleich belastbar sein
Für eine Vorstudie ist es sinnvoll, Eingaben nach Reife zu unterscheiden: verifizierte Bestandsdaten, aktuelle Projektunterlagen, öffentliche Referenzdaten und Annahmen. Kritische Annahmen sollten in der Ergebnisdarstellung sichtbar bleiben. So kann eine frühe Studie bereits Entscheidungen unterstützen, ohne den Eindruck einer fertigen Detailplanung zu erzeugen.
Lieber mit einer klar dokumentierten Datenlücke arbeiten als eine fehlende Information stillschweigend durch eine scheinpräzise Annahme ersetzen.
Praxisbezug
Bei der Climeworks-Terrasse in Zürich wurden unter anderem PDF-/DWG-Unterlagen und konkrete Rahmenbedingungen für Kosten und Umsetzbarkeit als Basis verwendet. Beim Projekt CTU Building B in Prag wurden Dach- und Fassadenflächen, Technikzonen, Verschattung und energetische Optionen gemeinsam betrachtet. Beide Fälle zeigen: Eine Vorstudie beginnt mit einer strukturierten Projektbasis, nicht mit einer einzelnen Technologie.
Häufige Fragen
Brauchen wir vorab ein BIM-Modell?
Nein. Ein brauchbares 3D-Referenzmodell kann auch aus 2D-Unterlagen aufgebaut werden. Entscheidend ist, dass die Geometrie für die zu treffende Entscheidung ausreichend genau ist.
Was, wenn Bestandspläne nicht zuverlässig sind?
Dann sollten kritische Masse oder Bauteile vor der nächsten Entscheidungsstufe verifiziert werden, zum Beispiel durch Aufmass oder Bestandsaufnahme.
Kann man mit Fotos starten?
Für eine erste Einordnung ja. Für Flächen, Erträge, Entwässerung oder konkrete Varianten braucht es danach geometrische und technische Projektinformationen.
